Das Lehrerraumprinzip

Einführung

Die Einbindung der Unterrichtsentwicklung als wichtigstes Entwicklungsziel der Realschule Senne erforderte ein Umdenken auch in methodischer Hinsicht. Eingefahrene Strukturen (z.B Sitzordnung nach den Wünschen des Klassenlehrers) verhinderten dabei häufig flexibles Handeln.
Auf Vorschlag eines Kollegen beriet die Lehrerkonferenz im März 2006 über die Einführung des sogenannten Lehrerraumprinzips. In diesem Modell gehen die Lehrer nicht mehr in die Unterrichtsräume der Klassen, sondern alle Schülerinnen und Schüler kommen zum Raum des jeweiligen Fachlehrers. Nach längerer Beratungszeit wurde eine Arbeitsgruppe gegründet, die sich in Schulen kundig machen sollte, die dieses Prinzip bereits seit längerer Zeit durchgeführt hatten. Diese Gruppe wurde durch Schülerinnen und Schüler aller Altersstufen sowie durch interessierte Eltern ergänzt.
Nach dem Studium der bekannt gewordenen Modelle entschied sich die Arbeitsgruppe für einen Besuch einer Schule in Lippstadt. Nach einer Schulführung durch den Schulleiter, Besuchen in einigen Klassen sowie Gesprächen mit Schülerinnen und Schülern, Eltern und Lehrern, war die Skepsis gegenüber einem solchen Modell einer unverkennbaren Begeisterung gewichen.
Nach eingehender Beratung in den verschiedenen Gremien wurde in der Schulkonferenz am 8. Juni 2006 beschlossen, dieses Prinzip für ein Jahr zur Probe einzuführen.
Die Vorteile des Lehrerraumprinzips, bei dem jeder Lehrer/jede Lehrerin einen eigenen Raum hat, in dem Materialien gelagert und die Fördermaterialien für die jeweiligen Gruppen bereitgestellt werden können, überzeugten schließlich Eltern, Schüler und Lehrer gleichermaßen.
Am 01. März 2007 wurde einstimmig der Beschluss gefasst, das Lehrerraumprinzip beizubehalten.

Vorteile

Das Prinzip kommt insbesondere dem Konzept der individuellen Förderung sehr entgegen, wobei die Schülerinnen und Schüler den Raum des jeweiligen Fach- und Förderlehrers aufsuchen und dort ihre Materialien vorfinden. Besonders der Aspekt der inneren Differenzierung im Fachunterricht ist hierbei zu beachten, da die Lehrer alle Materialien vor Ort bereithalten können. So kann jederzeit flexibel auf jede Unterrichtssituation eingegangen werden.
Darüber hinaus wird dem Gesundheitsaspekt Rechnung getragen. Alle Fachlehrer halten jeweils einen halben Klassensatz des jeweiligen Unterrichtswerkes in ihrem Raum vor. Die Schülerinnen und Schüler brauchen keine Bücher mehr mit in die Schule zu bringen, was eine erhebliche Reduzierung des Gewichtes der Schultaschen zur Folge hat, die häufig mehr als zwanzig oder dreißig Kilogramm gewogen haben.
Ebenso ist ein deutlicher Rückgang an Schulunfällen zu verzeichnen, die sich sonst während der Wechselpausen der Lehrpersonen ereigneten.
Von Schülerinnen und Schülern wird das Wechseln der Räume sehr positiv bewertet, da sie sich in den Wechselzeiten bewegen können, mit dem alten Unterricht geistig abschließen, sich auf das nächste Fach und den Unterricht in einem neuen Raum vorbereiten sowie häufig wechselnde Sitzordnungen vorfinden. Ein ebenfalls nicht zu unterschätzender Vorteil liegt in der Sauberkeit der Räume. Jeder Lehrer ist um die Sauberkeit in seinem Raum bemüht, sorgt für einen Ordnungsdienst und das Aufräumen des Raumes. Schülerinnen und Schüler halten sich niemals unbeaufsichtigt im Raum auf, Sachbeschädigungen fallen fast vollständig weg.
Auch der Gedanke der Energieeinsparung wird durch das neue Raumprinzip unterstützt. Da der Lehrer den Raum immer als Letzter verlässt, werden die Fenster zum Stoßlüften geöffnet und die Lampen ausgeschaltet.

Vorteilhaft ist dieses Prinzip ebenfalls für die Erstellung der Stundenpläne, da die Räume besonders gut genützt werden. Es gibt keine „Wanderklassen“ und die gemeinsame Nutzung eines Raumes durch Teilzeitkräfte (möglichst mit gleichen Unterrichtsfächern) setzt Synergieeffekte frei.